von Kati van Wagensveld
Sie ist wieder da – die Apfelzeit.
Seit einigen Wochen schon.
Da entstanden an einem warmen Spätsommerabend Fotos von Adriaan und mir unter einem Apfelbaum mit seinen russischen Liebesäpfeln. Rote Äpfel deren Fruchtfleisch ganz ungewöhnlicher Weise auch rot ist.

Nach dem Fotografieren wurden die Liebesäpfel in der untergehenden Sonne gepflückt.
Seit dieser Zeit essen wir Apfelbrei.
Vor mir auf dem weißen Küchentisch liegt ein großer Berg dieser roten Äpfel. Ich halte das sehr scharfe Messer, spalte aufmerksam jeden Apfel, entferne das Gehäuse. Sie duften frisch und feucht in meinen Händen. Bei jedem Aufschneiden bin ich neugierig auf die besondere Zeichnung des Fruchtfleisch – durchzogen von roten Linien, Bildern, Wolken, kleinen Blumen, wunderschönen Mustern. Ich freue mich darüber wie ein kleines Kind, das die Apfelwelt entdeckt.

Nach einer Zeit des Schneidens merke ich, dass der große Berg nicht wirklich weniger wird und Ungeduld in mir aufsteigt. Da ich die Neigung habe, Dinge um jeden Preis zum Ende bringen zu wollen ohne Rücksicht darauf, dass alles in mir längst schon Pause sagt, lasse ich die Hälfte der Äpfel unberührt. Morgen ist auch noch ein Tag.
Im großen Topf bedecke ich die gewürfelten Äpfel halb mit Wasser, ich gebe eine Handvoll oder mehr Rosinen dazu, etwas Zimtrinde oder reibe Kardamomsamen im Mörser und lasse das ganze köcheln bis die Äpfel zerfallen, die Schale weich ist.
Dann wird eingeweckt. Viele Gläser mit heißem Wasser ausspülen, die heißen Äpfel einfüllen, zuschrauben, auf den Kopf stellen, kalt werden lassen.
Der Winter kann kommen.
Ich bin vorbereitet 😉
Und dank einer guten Freundin deren Apfelbäume uns derzeit reich beschenken, steht Omas alte Suppenterrine immer mit frischem Brei in der schattigen Kühle des Balkons – jeder der uns zur Zeit besucht, bekommt ein Schälchen – wenn er mag mit zimtig karamellisierten Sonnenblumenkernen darüber. Da werden oft Kindheitserinnerungen erweckt und mit leuchtenden Augen Geschichten erzählt.
Apfelbrei am Morgen
So wie auch in unseren VipassanaRetreats und während der Jahresgruppenwochenenden kochen wir uns jeden Morgen ein warmes Frühstück. Es gibt meist Reiscongee, wärmenden Hafer- oder fröhlichen Hirsebrei oder sonnig gelbe Polenta mit gedünstetem Obst – je nach Gespür was gerade heute an diesem Morgen das Richtige für den Bauch ist. So beginnt mein Tag mit Aufmerksamkeit auf das was ich wirklich brauche – und nicht mehr auf das, was ich vielleicht am Tag zuvor geplant habe, essen zu wollen oder automatisiert immer esse. Zur Zeit ist das Reiscongee mal wieder jeden Morgen neu der Gewinner.
Als ich vor einigen Jahren die Reissuppe/brei, auch Reiscongee genannt entdeckte, machte mich das nach anfänglicher Skepsis sehr glücklich. Ich fühle mich damit sowas von pudelwohl – wie von innen eingecremt und gewärmt. Und dazu noch dieser wunderbar zarte Duft von Basmati, der früh am Morgen durch die Wohnung zieht. Noch bevor ich ins Bad gehe, stelle ich den Topf auf den Herd, denn für ein Congee wird 1 Teil BasmatiReis mit 6-10 Teilen Wasser (je nach Geschmack) in einem großen Topf, gerne eine Stunde, besser noch zwei Stunden auf kleiner Flamme geköchelt.
Mein absoluter Favorit ist es, einen mal mehr, mal weniger üppigen Schluck Kokosmilch dazuzugeben, einige Rosinen oder rote Datteln und gemörserten Kardamon. Herrlich.
Duftender Reisbrei mit rotem Liebesapfel, Kresseblättchen & Basilikum, einer Prise Salz und frisch gemahlenem Rosenpfeffer – in der Morgensonne sitzend oder im Herbstnebel mit Blick in die grünen Berge Wuppertals – das macht mich wohlig zufrieden und schenkt mir als warmes Frühstück am frühen Morgen die Wurzeln des Tages.
