Buddhas Diät 3: Bewusste Ernährung

Oft ist was wir brauchen, nicht noch etwas zu essen oder noch etwas zu hören, zu sehen, zu lesen, zu erleben oder zu tun.

Es tut dem Körper gut, ab und zu mal ein Glas Wasser zu bekommen. Jede Zufügung an das Trinkwasser ist für den Körper aber eine Verunreinigung, jede Zufügung macht das Wasser zu einem Genussmittel, zur Nahrung oder zu einer Medizin.

Natürlich habe ich nichts gegen Genuss. Ich genieße gerne und oft. Aber ein ‚Genuss‘ der nicht als solcher wahrgenommen wird, ist kein Genuss sondern eine unnötige Belastung. Bei genauer Betrachtung ist es mir als eine Seltenheit erschienen, dass Wasser mit etwas darin ‚genussvoller‘ schmeckt als klares reines Wasser.

Zuerst verschwand der Zucker aus meinem Trinkwasser. Zuckerwasser beendet den Durst nicht, sondern fächert ihn an. Wenn mehr vom Zuckerwasser getrunken wird, macht es den Magen sauer und viel viel mehr. So verschwanden Cola und Co und später auch die scheinbar gesunden Fruchtsäfte.

Kaffee habe ich schon als Kind als ‚dunkelbraun verschmutztes Trinkwasser‘ verschmäht. Ich kenne niemanden, dem es ohne Angewöhnungszeit geschmeckt hat. Tee habe ich später entlarvt als ‚hellbraun verschmutztes Trinkwasser‘ oder … Medizin. Es ist erstaunlich wie wirksam Kräuter wie Minze, Salbei, Thymian, Grüntee oder Kamille sind. Wenn wir aber eine Gewohnheit davon machen diese Medizin als Genussmittel zu uns zu nehmen, ist es dann realistisch zu erwarten, dass sie – wenn wirklich nötig – noch eine Wirkung zeigt?

Alkohol verschwand 1997 komplett von meinem Speiseplan – als mir klar wurde was für ein Risiko wir eingehen mit diesem Genuss. Es ist unmöglich, ein gesagtes Wort ‚ungesagt‘ zu machen. Und manchmal reicht ein einziges Wort, um viel Geliebtes zu zerstören. Wir befinden uns nicht nur ‚im Verkehr’ wenn wir ein Lenkrad in der Hand haben. Bei genauer Betrachtung ist der Angetrunkene sogar alleine in seinem Bett in Gefahr. Seit einigen Jahren trinke ich ab und zu mal wieder ein Gläschen mit. Sozial manchmal angenehm, aber bis jetzt hat mein Körper jedes mal gezeigt, dass es das Mittel nicht mag.

So ist mir zum Trinken das Wasser geblieben. Meist auf Körpertemperatur oder wärmer. Kaltes Wasser schlägt mir auf den Magen. Natürlich bin ich stark genug um das zu ertragen, aber warum sollte ich das tun? Warum den Körper nicht genauer kennen lernen und ‚mit dem Körper statt gegen den Körper‘ wirken mit meinem Bewusstsein?

Ist all dieses ‚Entsagen‘ eine Verarmung oder eine Bereicherung? Ich erfahre es als eine Befreiung. Ich brauche nichts Besonderes, um zu genießen. Ich komme nicht in Vergleichen, nicht in Verführung, fühle mich einfach gesättigt und frei.

Oft habe ich bemerkt, dass ich mit Essen reagiere, wenn ich eigentlich Durst verspüre. Buddhas Weg ist, sich bewusst zu machen was aufkommt und wieder vergeht. So können wir unheilsame ‚Reaktionen’ erkennen und Wege finden, uns aus diesen Reaktionen zu befreien.

Buddhas Diät gibt mir täglich eine lange ‚Fastenzeit‘. So erlebe ich die Vielfalt an Impulsen viel einfacher bewusst. Jede Neigung etwas zu mir zu nehmen, wird in der ‚Essfreizeit‘ unmittelbar wahrnehmbar. Monate habe ich mich trainiert mir die Frage zu stellen; ‚Was macht, dass ich jetzt die Neigung verspüre etwas zu essen oder zu trinken?‘ Da ist mir eine Schatztruhe aufgegangen. Jeder Grund etwas zu mir zu nehmen, ist mir wie ein Juwel erschienen:

‚Gelegenheit‘. Durch Augen, Ohren oder Nase strömt etwas ein, das an Essen denken lässt. Ich laufe an einem Laden vorbei in der Stadt. Oder an einem Schrank in der Küche. Wie ein Schlafwandler träume ich, dass ich Lust habe auf dies oder das. Auf Autopilot wird gegessen. Die biologischen Muster unter diesem Verhalten können sehr alt sein. Der Jäger-Sammler hat vielleicht genommen, was er gefunden hat. Oder war es Regel, alles Gefundene mit zur Gruppe zu nehmen? Wir wissen es nicht, oder?

‚Erinnerung‘. In unserem Geist kommt ein Gedanke an essen oder trinken auf. Unsere Reaktion ist ähnlich wie bei Gelegenheit, auf Autopilot wird gegessen.

‚Gewohnheit und Soziale Muster‘. An bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten wird gegessen. Unabhängig vom Inhalt in Magen oder Blut. Manchmal aus unserem ‚eigenen System‘, manchmal aus unserem sozialen System. Wenn diese Gewohnheiten nicht abgestimmt werden mit dem weiteren Essen, nehmen wir schnell zu viel oder das Falsche zu uns.

‚Unangenehme Empfindungen und Gedanken‘. Sie formen ein bunte Kette an höchst wirksamen Juwelen. Solange wir nicht gelernt haben unangenehme Empfindungen und Gedanken wahrzunehmen für das was sie wirklich sind, kann es sein, dass wir reagieren mit ‚Ausweichmechanismen‘. Um die unangenehmen Empfindungen nicht erleiden zu müssen, reicht es, sie mit einer stärkeren Empfindung zu verdrängen. So können Langeweile, Widerstand, Frustration, Ärger, Wut, Unsicherheit, sich nicht gut genug fühlen, Angst, Begierde, Verwirrung, Verzweiflung, Scham, usw. zu Anlässen werden zu essen. Dies ohne wahrzunehmen, ob und was der Körper gerade braucht. Meistens ist es kein Essen, kein ‚angereichertes Trinkwasser‘.

Jeder dieser Juwelen stellt eine Gefahr da. Reicher ist der, der nicht mehr hat als er braucht. Er hat seine Hände frei und ihm kann wenig genommen werden. Ein wertvoller Läufer um Schlösser zum Glück zu öffnen ist die Fähigkeit, zu unterscheiden zwischen Bedürfnis und Wunsch. Wenn man Bedürfnisse nicht erfüllt entstehen Enge, Härte und Schwäche. Wenn man Wünsche erfüllt entstehen Schwäche, Härte und Enge.

All dies kommt nicht aus dem Denken. Es stammt nicht aus einer Überzeugung, nicht aus Wissen oder Wunsch. Es sind einfache persönliche bewusste Erfahrungen, die mich weiser und freier gemacht haben. So schaue ich auch was, wann, wie und wo ich esse.

Auch wenn es mir oft schmerzhaft spürbar macht wie sehr ich noch unfrei bin, bin ich dankbar für Buddhas Diät.

Weiter lesen Buddhas Diät Teil 2, Teil 1

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