Einmal im Leben reicht?

Liebe Kati, lieber Adriaan,

seit knapp 4 Wochen bin ich jetzt wieder in meinem Alltag angekommen. Und doch ist er plötzlich ganz anders. Ich versuche, das bei euch Erlernte in meinen Tag einzubauen. Das ist nicht leicht. Ich verstehe jetzt erst, warum die absolute Stille, das ganz persönliche Reich, die Kontaktlosigkeit nach Außen und zu den anderen Teilnehmern so wichtig waren. Hier in meinem Alltag fällt es mir unheimlich schwer, mein Gedankenkarussel anzuhalten. Aber da ich weiß, dass es funktioniert und mir so gut tut, werde ich am Ball bleiben.


Es ist mir gelungen, eine gewisse Regelmäßigkeit – trotzt des Schichtdienstes – in meinen Alltag einzubauen. Egal ob Wochenende oder Arbeitstag: Um 6 Uhr stehe ich auf, um nicht mehr ohne Frühstück und Meditation in den Tag zu starten. Auch Mittag- und Abendessen werden relativ regelmäßig eingenommen.
Erstaunlicher Weise (oder auch nicht 😉) fällt es mir außerhalb meiner eigenen 4 Wände wesentlich leichter achtsam zu verweilen. Ob auf dem Zahnarztstuhl, im Restaurant, an der Kasse, in der Sauna… Auch mein Mann hat sich schon einiges angeeignet bzw abgeguckt. Wie lange wir jetzt immer am Esstisch sitzen! Und so manches Mal erinnern wir uns gegenseitig schmunzelnd daran, was Adriaan wohl gesagt hätte bzw sagen würde.

Viele Projekte, die ich über Jahre vor mich hingeschoben habe, werden jetzt in Angriff genommen oder nehmen Gestalt an. So manches Mal habe ich mich gefragt, warum ich nicht einfach mal anfange. Die Antwort war meistens „Dumpfheit und Trägheit“.
Jeden Morgen eine halbe Stunde Meditation mit Erdberührungen, jedes Wochenende eine lange Gehmeditation. Ich gebe es zu: Manchmal fällt es mir schwer, mich aufzuraffen. Aber ich weiß, wofür. Und wenn ich das mal vergesse, gelingt es XY (meinem Yogalehrer), mich zu motivieren.

Meinem Bauch geht es wesentlich besser. Ich nehme nur noch selten Medikamente. Und ich kann viel entspannter und ohne Angst und Resignation durch den Tag gehen. Sollte es mir doch mal nicht so gut gehen, weiß ich, dass ich die vorherigen Mahlzeiten nicht achtsam genug genossen habe. Tjaaaaa, es gibt noch viel zu tun…
In der Zeit bei euch habe ich nichts vermisst. Nicht meinen Mann, die Enkel, meinen Hund, das Handy… Nichts. Ich war einfach mit mir beschäftigt. Und es hat so gut getan. Ich bin voller Dankbarkeit. Dankbar, dass ich euch kennenlernen und durch euch lernen durfte. Dankbar, dass ich den Mut hatte, zu starten. Dankbar, dass mein Mann hinter mir und meiner Entscheidung steht und mich unterstützt.

So ein Vipassana ist ja wie Kinderkriegen. Nicht nur, dass etwas Neues beginnt: Kurz danach habe ich gesagt:“Einmal im Leben reicht.“ Ein paar Tage später denke ich schon über das nächste Mal nach. Ich trainiere jetzt erst einmal meine Rumpfmuskulatur. Mein nächstes Retreat werde ich garantiert in aufrechterer Sitzhaltung verbringen. 😉

Ihr Lieben, ich danke euch von ganzem Herzen für diese für mich sehr wichtige Zeit.
Ganz liebe Grüße von XYZ

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