Warum ich übe

Vor neun Tagen sitze ich mit und wegen einem geliebten Menschen beim Arzt.

Arzt: „Sie müssen sich operieren lassen – wir reden hier von Tagen, vielleicht Wochen Lebenszeit… nicht von Monaten.“ Ich spüre wie es in mir aufwühlt. …Sati ist da, flüstert mir zu: atme.

Ich höre mich dem verärgerten Arzt sagen: „Danke, wir werden drüber schlafen. Es gibt in diesem Fall ein hohes Narkoserisiko. Es gibt jemanden, dessen ausgesprochener Wunsch es ist, nicht im Krankenhaus zu sterben. Außerdem ist da keine Bereitschaft, nach der OP in der Nachsorge mitzuspielen.“

Wir verlassen die Praxis… sitzen noch zusammen, ruhig und entspannt verschüttelt. Das Wörtchen „Tage“ hämmert in unseren Köpfen. … Sati ist da, flüstert mir zu: atme.

Dieser Arztbesuch liegt direkt vor meiner Abreise. 350 km Fahrt liegen vor mir. Morgen treffe ich mich für eine SatipatthanaSuttaWoche mit zwei langjährigen Freunden im eigenen Ferienhaus und wollte danach noch eine Woche bleiben…

„Wir reden hier von Tagen, vielleicht Wochen“. Ich kann doch JETZT nicht abreisen! Ich werde auf die Reise geschickt …Sati flüstert mir zu: atme.

Die Fahrt entspannt. Freitagnachmittag – Stau an Stau. Ich genieße… Jeder km Abstand zwischen uns schmerzt. Irgendwann komme ich an.

Wir telefonieren und ich sage dir, dass ich die Woche locker absagen kann – dann haben wir Zeit, noch ein bisschen Händchen zu halten. Ich bin sogar bereit, mit dir Formel 1 zu schauen… Du lachst: Mach dein Ding!

Ruhig weiteratmen… die Zimmer hergerichtet… meine Weggefährten reisen an… Ich habe keinen Plan, habe meine eigenen Erwartungen an diese gemeinsame Zeit gefühlt und erkannt. Das genügt. Meine Erwartungen brauchen meine Aufmerksamkeit jetzt nicht mehr. Ich fühle mich frei, die Blume zu bestaunen, die in dieser Woche erblühen wird… voller Vertrauen.

Viele Blumen sind aufgeblüht. Eine kann ich mit euch teilen, weil ich sie am zweiten Abend aufschrieb:

 

Liebe(r) …

wenn sich der Himmel auftut

und du diese Form nicht mehr brauchst

dann wird da Lachen sein

und Freude

dort wo du sein wirst

und dort wo du vermisst wirst

Ich schenke dir meine Tränen

mit einem Lächeln

weil ich dich SO lieben durfte, so nah, so einfach

weil wir so gerne gebadet haben in diesem erstaunlich bedingungslosen Vertrauen, Lieben, Erkennen …

Du hast mich viel gelehrt, ich trage diese Eindrücke in mir und werde das Pflegen, was mich weiterhin

nährt

hält

heilt…

So sind wir immer zusammen… tatsächlich bis in Ewigkeit

 

Bin wieder allein. Die Freunde abgereist. In der „Sati-Woche“ bekam ich einen Anruf: „Ich komme ins Ferienhaus. Dann haben wir ein gemeinsames Wochenende bevor du wieder abreisen wirst und ich bleibe dann noch da: MIR GEHT ES JA GUT.

 

Welch große Meister überall !!!

 

(lieber Adriaan , falls du den Text als hilfreich erachtest und ihn im Blog offen legen möchtest, ist das ok. Bitte anonym zu meinem und zum Schutz der beteiligten Personen. Außerdem hat ICH sowieso nichts damit zu tun – drück dich)