Wie ein kleiner Mönch bei Thich Nhat Hanh zum Löwen wurde.

Der größte Lehrer in meinem Leben, der Mönch Thich Nhat Hanh, hatte immer zwei Bedienstete (Attendants) bei sich. Sie liefen unmittelbar hinter ihm und erledigten alles, was für ihn und um ihn herum zu tun war: Sie trugen zum Beispiel seine Tasche und schützen ihn mit einem Schirm vor Sonne oder Regen. Auch die kleinsten Bedürfnisse konnten sie aus seinem subtilen Gebaren erkennen. Ich habe oft gespürt, wie Thay (Vietnamesisch für Lehrer) und sein Attendants zusammen einen gemeinsamen Körper formten und jegliche Trennung überwunden war.

Als Aspirant auf meinem Weg, Novize zu werden, habe ich einige Monate in der Hütte neben Thich Nhat Hanh am östlichen Rand unseres Klosterhügels gelebt. Fast jeden Morgen bin ich früher aufgestanden, um zu sehen, wie der Meister auf seiner Terrasse einige sehr bewusste Körperübungen machte und sich dann mit seinem Tee hinsetzte. Ich teilte meine Hütte mit einem Aspiranten, der direkt aus Viet Nam kam und noch kein Wort „Europäisch“ sprach. Wir fühlten uns beide sehr gesegnet, vor unserer Mönchsweihe so nah beim Meister sein zu dürfen.

Ich träumte davon, als Novize auch eine Weile Thays Attendant sein zu dürfen, um so noch näher bei ihm zu sein. Bei der täglichen Gehmeditation lief ich oft direkt hinter Thay und seinen Attendants und folgte jeder seiner Bewegungen. Als die Attendants auf halbem Wege unserer Gehmeditation einen Sitzplatz für Thay bereiteten, öffnete ich meinen Geist weit, um auch die subtilste Kommunikation zwischen meinem Lehrer und seinen Attendents wahrzunehmen. Nachdem Thay sich gesetzt hatte, setzte ich mich so nah wie es mir in meiner sozialen Rolle möglich war, hin und beobachtete bewegungslos. Sogar mit geschlossen Augen in der Meditation ruhte meine Aufmerksamkeit vor allem auf ihm und seiner direkten Umgebung.

Ich habe Thay so ein ganzes Jahr begleitet. Und habe ihn keine einzige unachtsame Bewegung machen sehen. Kein unbewusstes Wort reden hören. Dieser Mensch war, so wie er es endlos wiederholte, IMMER am Üben. Und immer waren seine Attendants dabei.

Als der holländische Novize Phap Xa einmal ein par Tage Thays Tasche tragen durfte, wuchs meine Hoffnung. Phap Xa war einer der Vorbildlichen unter uns „Westlern“. Es gab also eine Möglichkeit, noch näher zu kommen!

Der mit 14 Jahren eingetretene Vietnamesische Novize Phap Huu war einer von Thays liebsten Attendants. Wenn er nicht bei Thay war, dann war er entweder sehr ernsthaft im Dienst oder … am Spielen. So lustig, so frei, so einfach. Die Gemeinschaft ließ ihm und allen anderen jungen Mönchen und Nonnen Raum, Kind zu sein, zu spielen. Manchmal habe ich sogar gedacht, dass unser Kloster, Plum Village, für viele Vietnamesen ehr ein Partyschiff war. Ein sicherer Hafen nach der Flucht. Später habe ich gelernt, dass wirklich jeder immer am Üben ist und dass Tee trinken und zusammen fliessen echte Praxis ist.

Einst raste der junge Mönch Phap Huu auf einem Rasenmäher über die Wiese um den Lotusteich. Ich stand unruhig daneben, wollte ihn warnen, denn es gab Steine, die aus dem Boden ragten. Kirrend flog er über eine Reihe Maulwurfshügel. Die rote Erde stob in alle Richtungen auf. Und dann … Tak! Das Messer schlug gegen ein Stein. Der Mäher bleib hängen und der Motor fiel still. Es kam direkt Hilfe und ich sah, wie der kleine Mönch getröstet wurde. Kein Wort der Zurechtweisung.

Dieser junge Mönch, jetzt vielleicht 30 Jahre alt, hat Ende April 2017 seinen ersten öffentlichen Dhammavortrag gegeben. Und was für einen! Völlig authentisch, frei, weise, in Kontakt mit seinen Zuhörerinnen und Zuhörern hat er tief verankert im Dhamma und Thays Übertragung gebrüllt wie eine Löwe.

Nimm dir Zeit, setz dich ruhig hin. Komm an im Tempo der Mönche und Nonnen.

Blog Beitrag Buddha’s Diät

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