Üben wirkt

Liebe Kati,

Lieber Adriaan,

es wird Zeit für eine Mail an euch. Ihr seid öfter in meinem Inneren unterwegs als ich euch schreibe. Immer ein Anker, wenn es mal turbulent wird. Sehr hilfreich! Danke euch!

Ich habe einige You-Tube-Clips von Thay (Thich Nath Hanh) gesehen in letzter Zeit und so gesellt er sich zu euch vor meinem inneren Auge. Was würde Thay sagen, frage ich mich, wenn es schwer wird.
Ich habe das Atmen als hilfreiches Tun fest etabliert. Nicht immer klappt es gut, es dauert unterschiedlich lange, bis ich mich beruhigen kann, aber es ist immer verfügbar. Auch das achtsame Gehen klappt im Alltag, auf dem Weg in die Mittagspause oder im Treppenhaus auf der Arbeit. Mutter Erde nicht treten sondern freundlich begehen. Relativ oft sitze ich morgens vor Alltagsbeginn und übe Atmen und Entspannen.
Von den vielen Sätzen, die aus dem Vipassana weiter gewirkt haben ist der wichtigste, dass alle diese Bewegungen im Innern kommen, da sind und wieder vergehen. In depressiven Momenten  ist die Aussicht auf das Vergehen des Zustandes sehr hilfreich.
Unterdessen ist der Satz dazugekommen, dass alles da sein darf. Ich muss mich vor den schlimmen Phasen nicht mehr so wegducken. Es fällt zunehmend leichter, es da sein zu lassen und ohne Bewertung anzuschauen. Die Beobachterin hat mehr Potenz bekommen – und sie spricht auch immer wieder mit dem inneren Kind und nimmt es mit!
Mein Dickicht aus Glaubenssätzen meiner Eltern und den selbst gemachten wird mir immer deutlicher. Neulich, nach einer sehr intensiven Schmerzphase kam mir aber der Gedanke: Was ist, wenn ich alle die Geschichten, die mein Hirn immer und immer wieder durchkaut, nicht mehr glaube?!
Seitdem ist eine Leichtigkeit da. Ich fühle, dass sich das Üben, so erratisch und „undiszipliniert“ es ist, wirkt. Ich komme zu mir und positive Dinge kommen auf mich zu: auf der Arbeit verändern sich die Bedingungen gerade auf sehr positive Art und Weise, ich bekomme Komplimente, ich spüre, dass Strahlen mein natürlicher Zustand ist.  Manche Menschen verunsichert das, merke ich auch. Aber ich will mein Licht nicht mehr unter den Scheffel stellen.
Meine linke Gesichtshälfte, die beim Vipassana so verspannt war, weiter ein guter Seismograph. Manchmal klappere ich noch mit den Zähnen, wenn zu viel Druck im System ist. Dann merke ich, dass ich Ruhe und Entspannung brauche.
Beim Tango-Tanzen heute hatte ich ein paar wunderbare Momente der Präsenz in meinem Körper, in Raum und Zeit. So eine Weite und so ein Licht, so sehr ich – das will ich weiter entdecken.
Aufwachen ist nicht spektakulär, wie ich immer erwartet habe, es durchdringt vielmehr die kleinen Dinge und füllt sie mit Tiefe.
Ich möchte gerne am …Vipassana teilnehmen und bitte euch, mir einen Platz zu reservieren.
Herzliche Grüße an euch beide
von XY

 

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